Freitag stand dann die große Prüfung
auf dem Plan. Im Endeffekt kann ich nur sagen, wenn ihr sie mal schreiben
müsst, macht euch nicht verrückt. Trotz englischer Sprache war es gut zu
meistern, wenn man die Woche halbwegs aufmerksam war.

Als Belohnung gab es dann eine Fahrt
mit dem Freifallboot: Ein Rettungsboot mit spitz zulaufendem Bug. Für unsere
„Spaßfahrt“ ging es im freiem Fall aus ca. 7m ins Wasser. In Wirklichkeit
findet man diese Installationen nur auf Bohrinseln, aber dann in 40-50m Höhe. Sie
sind die letzte Instanz sein Leben zu retten bevor die Plattform explodiert.
Aus dieser Höhe sind Knochenbrüche dann vorprogrammiert. Für uns war es die
erste richtige Begegnung mit dem Wellengang. Der Tag war unheimlich stürmisch
und Thilo überlegte, ob er das Boot überhaupt wieder aus dem Wasser bekommen
würde. Aber uns zu liebe durften wir es testen. Man sitzt in einer erstaunlich
steilen Schräglage mit dem Rücken zum Abgrund im geschlossenen Boot. Keine
Fenster. Abgesehen von dem für den Steuermann, der erhöht mit Blick in die
andere Richtung sitzt. Ich konnte sehen, wie Sebastian vor mir bebte.
Höhenangst. Mir selber schlug das Herz bis zum Hals. Ein wenig vor Aufregung,
aber vor allem wegen der Vorfreude und ich wurde nicht enttäuscht. Das Gefühl, wenn
die Motoren starten, das Klicken der Halterung, der kleine Ruck, Millisekunden
bevor wir die Schiene hinab rasen und fallen. Der Aufschlag warf unsere Köpfe
nach hinten, trotz dieser geringen Höhe. Und dann wurde es erst richtig lustig.

Die See war stürmisch und sobald Thilo seinen Platz verließ, um die Tür zu
öffnen und die Leinen fertig zu machen, fehlte dem Boot der Antrieb nach vorn.
Sofort legte es sich mit der Seite zu den Wellen und es schwankte. Nicht nur
ein bisschen. Ein unregelmäßiges auf und ab. Einige von uns bekamen einen
leichten Grünstich um die Nase. Zum Glück bin ich das Achterbahnfahren gewohnt
und habe einen stabilen Magen. Als wir dann wieder sicher an Land standen galt
es, das Boot zurück auf die Schiene über unseren Köpfen zu bringen. Das gute
Stück wiegt einige Tonnen und musste irgendwie mit dem Heck zum Land
ausgerichtet werden. Die darauf folgende halbe Stunde war die beeindruckendste
der ganzen Wochen. Thilo, Garry, Swantje und ein weiterer Mitarbeiter des AfZ
Ausbildungszentrum haben unglaublich konzentriert Hand in Hand gearbeitet.
Trotz der Tatsache, dass Swantje gerade die erste Woche zum Team gehörte,
wusste sie, was jedes Handzeichen bedeutete und was zu tun war. Ein perfektes
Team. Und dank zwei langer Taue zum Ausrichten in der Luft durften wir Teil
davon sein. Es war mir eine Ehre. Gemeinsam etwas zu bewegen und zu erreichen
ist ein wunderbares Gefühl. Und dann habe ich natürlich die körperliche Arbeit
vermisst, so lange sitzen liegt mir nicht.
Jetzt ist Samstag und ich habe ein
interessantes Erste-Hilfe-Training hinter mir. Gut, alles mal aufzufrischen und
neues zu lernen. Hoffentlich kann ich im Zug etwas schlafen, der Wellengang auf
dem Hausboot war nicht ganz ohne und das Klatschen des Wassers in Kopfhöhe nur
2m entfernt waren etwas beängstigend. Und doch kann ich absolut sagen: Diese
Woche hat mir gezeigt, dass es die richtige Entscheidung war, diesen Weg
einzuschlagen. Ich fühle mich nun vorbereitet und kann es kaum erwarten, an
Bord zu gehen.
Liebe MS Europa 2, ich komme.