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Montag, 2. April 2018

Blick in die Ferne - Teil 4

Der Mittwoch spezialisierte sich auf die Hochseetauglichkeitsuntersuchung beim Arzt und die Evakuierung und Leitung von Menschenmassen. Als erstes durfte das „Marine Evacuation System“ ausprobiert werden. Eine Art Bauschuttröhre für Menschen. Durch Körperspannung und seine ausgestreckten Arme kann man langsam durch einen inneren Stoffschlauch hinab rutschen. Ein wirklich spannendes Gefühl. So ist es möglich, Menschen auch über eine größere Höhe sicher nach unten zu bringen, ohne dass sich jemand verletzt. Damit allerdings jeder weiß, zu welchem Schlauch oder Rettungsboot er muss, gibt es zu Beginn jeder Reise einen Drill: Eine Notschutzübung für den Ernstfall. Dieser Ablauf wird dann vom „General Emergency Alarm“; sieben mal kurz, einmal lang angekündigt. Jeder Passagier wird auf seiner Kabine eine Rettungsweste finden, welche er anlegen muss. Ein Team von Crewmitgliedern wird jede Kabine, jedes Restaurant, jede noch so kleine Kammer einzeln öffnen und nach Menschen durchsuchen. Keiner wird vergessen. An den Treppenhäusern und Türen wird weiteres Personal stehen und den richtigen Weg zu den Musterstationen zeigen. Gemeint ist damit eigentlich nichts anderes als eine von mehreren Sammelstationen. Je nach Größe des Schiffes kann die Passagierzahl unterschiedlich sein.
Jeder kann den Namen seiner Musterstation auf seiner Rettungsweste und den Fluchtplänen finden. Von dort aus muss man einfach ruhig bleiben. Dem Personal zuhören und tun, was einem gesagt wird. Dafür wurden wir trainiert. Ziemlich sicher werde ich die ersten Wochen an Bord noch nicht alles wissen und die Vorstellung, dass das Leben dieser Menschen in meiner Hand liegen könnte, macht mir Angst, aber der Großteil der Crew ist alteingesessen und routiniert in diesen Übungen. Vertraut also darauf was gesagt wird. Wir wissen, was wir tun.

Durch Melina hatten Maria und ich die letzten Abende bereits etwas Anschluss zu den anderen Gästen auf dem Hausboot gefunden und an diesem luden sie uns ein, mit ihnen feiern zu gehen. Als anerkannter Musik- und Tanzfanatiker kam eine Absage natürlich nicht in Frage und da ich mit Maria eine Mitstreiterin für meinen alkoholfreien Lebensstil gefunden hatte, versprach es ein toller Abend zu werden. Wir besuchten einen kleinen Studenten Club in Rostock und auch, wenn der DJ keine Ahnung von seinem Handwerk hatte, machten wir die Tanzfläche unsicher. Ein kluger Mensch sagte einmal: „Du kennst einen Menschen erst wenn du mit ihm tanzt.“ Und da ist was dran. Ich hoffe, auf dem Schiff genauso schnell Anschluss zu finden, wie in dieser Woche.
  

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