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Samstag, 31. März 2018

Blick in die Ferne - Teil 2

Mein Kopf tat weh, die Deutsche Bahn hatte auf den rund 500km mal wieder ganze Arbeit geleistet. Müde strich ich mir das verschwitzte Haar aus der Stirn und suchte nach Orientierung. Wo war jetzt dieses Zentrum? Ungeduldig wartete ich auf den vertrauten blauen Punkt meines GPS Signals und scannte die Umgebung, eigentlich war es hier richtig schön. Eine kleine Fußgängerbrücke spannte sich über die beiden Gleise der S-Bahn. Links und rechts gesäumt von einigen Laubbäumen und einem weißen Einfamilienhaus. Darüber lachte ein blauer Himmel mit den Möwen um die Wette. Möwen, tatsächlich, ich war am Meer. Sofort fühlte ich die Vorfreude in meinen Adern und setzte mich in Bewegung. Google Maps führte zielsicher am Ufer entlang. Auch, wenn die Bäume den Blick auf die See versperrten, konnte ich sie so deutlich fühlen. Innerhalb von 20 Minuten kam das Hafengelände in Sicht. Zwei große Schilder verwiesen auf das AFZ Ausbildungszentrum und die Anlegestelle der Severa Wohnschiffe.
Die Kajüte im Bauch des Schiffes war klein, sehr klein. Die Ausstattung pragmatisch, ein schmales Doppelstockbett, ein Tisch, zwei Stühle, darüber ein Brett an der Wand als Regal und eine Nasszelle. Alles da, was man zum Leben brauchte. Ohne lange nachzudenken entschied ich mich für das obere der zwei Betten. Sollte meine Mitbewohnerin etwas kleiner sein, war sie sicher froh, wenn sie nicht jeden Abend klettern müsste. Trotz der guten Vorsätze, in der Messe gleich sozialen Anschluss zu finden, siegte die Müdigkeit und entließ mich erst wieder, als die Tür geöffnet wurde und Maria in unsere 6qm einzog. Ich lernte schnell ihre Gesellschaft zu schätzen. Die Lateinamerikanerin wird als Sängerin auf die MS Albadros aufsteigen, also wenn ihr eine Reise mit dieser plant, grüßt die junge, charmante Frau mit der grandiosen Stimme von mir.

Unsere Ausbildung begann am nächsten Morgen 8Uhr. In einem dieser typischen Kurs-Klassenzimmer. Alle Tische in einem großen U. Die Wände gesäumt von Plänen, Plakaten und einigen Gerätschaften, deren Bedeutungen mir absolut schleierhaft waren. Der Grund warum da Kaffee neben Mandarinen, Äpfeln und Schokoladenriegeln stand, lag dagegen vollkommen auf der Hand. Der Kurs war 15 Personen stark und zu meiner großen Überraschung komplett auf Englisch. Wenn man weiß das es eine Prüfung am Ende der Woche geben wird, ist dieser Umstand schon etwas beängstigend. Mein Englisch ist nicht schlecht, aber da gibt es auch noch deutlich Luft nach oben. Eine weitere Chance, die man mit dem Meer ergreift.
Der Aufbau unserer Tage war an sich immer gleich: Am Vormittag gab es die Theorie und nach der Mittagspause ging es zum spaßigen Part über. Nicht, dass die Theorie langweilig gewesen wäre. Einerseits waren die meisten Themen dafür einfach viel zu spannend, andererseits hatten wir einen ziemlich interessanten Lehrer: Thilo, ein schlanker, junger Mann mit der richtigen Mischung aus Humor, Durchsetzungsvermögen und Arroganz. Mit einer extra Priese Disziplin wäre er wohl einer der besten Lehrer gewesen, die ich je kennen gelernt habe. Der Montag war dem „fire extinguisher“, „fire prevention“ und „fire fight“ gewidmet. Ein wichtiges Thema. Feuer wird von den meisten Seeleuten mehr gefürchtet als Sturm, Nebel oder Untiefen.
Wo will man auch hin, wenn der sicherste Ort im Umkreis von mehreren Kilometern einfach unter einem weg fackelt. Dabei kommen kleine Brände auf Schiffen andauernd vor. Und genau da kommen wir als Crew ins Spiel. Das Training soll uns auf den Ernstfall vorbereiten. Wie benutze ich einen Feuerlöscher oder Feuerwehrschlauch? Wie handhabe ich eine Löschdecke? Welcher Stoff kann womit gelöscht werden? Habt ihr schon mal einen Fettbrand gesehen in den 100ml Wasser gegossen wurden? Die Stichflamme ist gigantisch. Wenn ihr irgendwann auf ein Schiff geht oder in einem Hotel übernachtet, selbst wenn ihr in einem Mehrfamilienhaus wohnt, schaut euch einfach mal an, wo ein Feuerlöscher hängt und was es für Fluchtpläne gibt. Im Ernstfall hat man dafür dann keine Zeit mehr.
So ernst das Thema auch ist, die Praxis hat trotz 4°C und Regen richtig Spaß gemacht. Und da wir eh schon nass waren war dann auch die Dusche mit dem Feuerwehrschlauch fast egal...











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